Beliebtheit der Eichhörnchen:
Auf der Beliebtheitsskala von uns Menschen rangieren Eichhörnchen ganz oben. Dazu tragen sicher ihre koboldhafte Gestalt mit fingerartigen Zehen an den kurzen Vorderbeinen sowie ihre tollkühnen Kletterkünste, aber auch das Männchenmachen bei.
Im Haselnussstrauch raschelt und knabbert etwas. Dann huscht ein rotbraunes Tier davon, das gewandt über die Äste balanciert, zur Buche hinüberspringt und in rasantem Tempo am Stamm nach oben klettert. Der lange buschige Schwanz und die typische Gestalt lassen kein Zweifel zu, es war ein Eichhörnchen.
Buschiger Schwanz als Bettdecke:
Der mit 20 Zentimetern knapp körperlange, buschige und behaarte Schwanz ermöglicht ihnen ein Leben auf Bäumen, er fungiert als Balance-, Steuer- und Ruderhilfe. Daneben hat der Schwanz Aufgaben in der Kommunikation mit Artgenossen – und bei der Thermoregulation, denn er kann ein zusammengerollt liegendes Hörnchen komplett bedecken. Diese Eigenschaft findet im lateinischen Artnamen „Sciurus“ Ausdruck, was so viel bedeutet wie „der sich mit dem Schwanz beschattende“. Große Sprünge macht man natürlich nicht allein mit dem Schwanz. Kräftige Hinterbeine und scharfe Krallen sind ebenfalls nötig. Letztere gewähren auch den Halt für das Klettern kopfabwärts, einer Fähigkeit, die Eichhörnchen mit dem Jahresvogel Kleiber teilen.
Das Fell:
Das Fell der Eichhörnchen variieren stark. Neben dem immer weiß gefärbten Bauch reicht die Fellfarbe von hellem Fuchsrot bis zu Schwarz. Das Zwischenstadium weist einen schokoladenbraunen Rücken auf, der über Fuchsrot in den weißen Bauch übergeht. Schwarzes Fell ist länger, dichter und isoliert besser. Daher finden sich in höheren, feuchten und kühlen Lagen häufiger schwarze Tiere. Welchem Geschlecht ein „Eichkatzerl“ angehört, ist nicht auf Anhieb sondern nur aus der Nähe erkennbar. Bei Männchen sind außer in den sexuell inaktiven Herbstmonaten die Hoden erkennbar und Weibchen haben zum Stillen acht Zitzen.
Nahrung aus Nüssen, Früchten ..., aber manchmal auch "Jungvögel":
Eichhörnchen leben vor allem von energiereichen Früchten und Samen. Besonders beliebt sind die von Buche, Eiche, Kiefer, Ahorn und Fichte, aber auch Kastanien und Nüsse. Daneben verschmähen sie auch Knospen, Blüten, Gallen, Pilze und tierische Kost nicht. Vor dem Winter fressen sich Eichhörnchen nur wenig Winterspeck an und verstecken stattdessen Nahrung in Depots, die sie bei Nahrungsengpässen plündern. Mit dem Verstecken tragen Eichhörnchen zur Verbreitung von Baum- und Straucharten bei. Nadel- und Mischwälder sind ein günstigerer Lebensraum als Laubwälder, deren zu Boden fallende Früchte auch andere Tiere nutzen. Hoch in Nadelbäumen hängende Zapfen müssen mit weniger Nahrungskonkurrenten geteilt werden.
Eichhörnchen sind auch Beutegreifer:
Eichhörnchen treten selbst als Beutegreifer gegenüber Vogelarten in Erscheinung, deren Nester sie plündern. Wie stark sie dabei Einfluss nehmen, ist kaum untersucht. Offenbar wird dem putzigen Pelztier das Nesterplündern weniger verübelt als anderen Tierarten.
Eichhörnchen sind tagaktiv:
Eichhörnchen halten keinen Winterschlaf und sind tagaktiv. Im Sommer sind sie frühmorgens und nachmittags - mit einer zwischengeschalteten mittäglichen Ruhepause - unterwegs. Im Herbst wird ganztags Nahrung gesammelt und im kalten Winter sind sie je nach Wetter nur wenige Stunden aktiv. Eichhörnchens Streifgebiete sind in der Größe sehr variabel, je nach Lebensraum und Futterangebot. Im Winter sind sie kleiner, im Sommer können sie zig Hektar umfassen.
Kein Sommertag ohne Ruhepause:
Zur Nachtruhe und zu regelmäßigen Mittagspausen ziehen sich die Hörnchen in Baumhöhlen und Kobel zurück, wie ihre Baumnester genannt werden. Diese gepolsterten Reisigkugeln haben 15 Zentimeter Innenraumdurchmesser. Einzelkobel beherbergen nur einen Benutzer, sogenannte Wurfkobel die Mutter samt Nachwuchs. Häufig haben Eichhörnchen mehrere Kobel in Gebrauch.
Fortpflanzung:
Paarungen finden ab Dezember/Januar bis in den Sommer statt. In dieser Zeit kann man leicht Zeuge wilder Jagden werden, bei denen sich die Partner geräuschvoll in Spiralen die Baumstämme hinauf und hinunter verfolgen und dabei ziemlich unvorsichtig sind. Männchen riechen paarungsbereite Weibchen auf über anderthalb Kilometer Entfernung. Treibende Kraft sind die Weibchen, die auch entscheiden, welches Männchen nach tagelanger Werbung zum Zug kommt. Nach 38 Tagen Trächtigkeit kommen zwei bis fünf jeweils zehn Gramm schwere Junge zur Welt, um die sich das Weibchen alleine kümmert. Erste Fellhaare sprießen um den achten Lebenstag, mit 32 Tagen öffnen sich die Augen.
Bestand:
Über die Bestandssituation der Eichhörnchen weiß man relativ wenig. In Abhängigkeit des Nahrungsangebotes schwankt ihre Zahl erheblich. Bis in 60er-Jahre gab es deutlich höhere Bestände als heute. Schlechtere Waldqualität und die Landschaftsverinselung können zum Rückgang der Eichhörnchen beitragen. Von den Beutegreifern haben es Habicht und Marder auf Eichhörnchen abgesehen. Positive Bestandstrends in Süddeutschland führt man auf hohe Fuchszahlen zurück, da diese die Marder zum Vorteil der Eichhörnchen reduzieren.
Die neueste Konkurrenz der Eichhörnchen übrigens ist grau und kommt aus Nordamerika: Seit ihrer Einführung 1876 in England verbreiten sich Grauhörnchen zunehmend auf Kosten der angestammten Rotbraunen aus - und nicht nur auf den Britischen Inseln, sondern jüngst auch in Italien und der Schweiz.
Allgemeines (zusammengefasst):
Eichhörnchen sind Nagetiere und zählen zu den Säugetieren. Sie sind Einzelgänger und können bis zu 25 Zentimeter groß und zwischen zwei und fünf Jahre alt werden. Die kleinen Tiere können bis zu 400 Gramm schwer werden.
Ihr Fell ist rotbraun, nur der Bauch ist weiß. Ihr 20 Zentimeter langer, buschiger Schwanz dient dazu, das Gleichgewicht bei den akrobatischen Sprüngen von Baum zu Baum zu halten.
Wusstest du, dass die buschigen Ohren von Eichhörnchen sehr sensibel sind? Damit können sie Gefahren schnell wahrnehmen. An ihren Pfötchen tragen die Eichhörnchen scharfe Krallen. Diese benötigen sie, damit sie Baumstämme sicher hoch- und herunterklettern können. Einen zusätzlichen Halt bieten die Haftballen an den Fußsohlen.
Das Eichhörnchen hat ein typisches Nagetiergebiss. Mit den vier scharfen Nagezähnen kann es perfekt Nüsse knacken. Die Mahlzähne dienen zur Zerkleinerung der Nahrung. Zwischen den Nage- und Mahlzähnen ist eine große Lücke – die Eckzähne fehlen. Dies ermöglicht die Mahlbewegung des Kiefers. Die Schneidezähne nutzen sich ab und wachsen beständig nach. Die Nagetiere schärfen ihr Gebiss automatisch beim Fressen, da sich das Zahnbein schneller abnutzt als der Zahnschmelz. So entsteht die spitz zulaufende Schneidezahnform.
Im Winter hält das Eichhörnchen Winterruhe. Es verschläft mehrere Tage in seinem kugelförmigen Nest – dem Kobel. Nach ein paar Tagen muss es aber wieder zur Nahrungsaufnahme aufstehen.
Eichhörnchen und ihre Sprüche:
„Der Teufel ist ein Eichhörnchen“ sagt der Volksmund und meint, dass man nie gegen unangenehme Überraschungen gefeit ist. Einem alten Volksglauben zufolge soll sich der Leibhaftige selbst in so kleinen, harmlosen Wesen wie einem Eichhörnchen zeigen.
Auf die Nahrungsdepots für winterliche Nahrungsengpässe zielt der Begriff „Aktion Eichhörnchen“ ab, wenn Vorräte gehamstert werden, und bekanntlich „ernährt sich das Eichhörnchen mühsam“, will heißen, dass ein Vorhaben langwierig und nur mit Mühe auszuführen ist.